Gestrandet im Entlastungs-Dschungel:

Wie ich auf 1.000 Euro vom Kanzler wartete und stattdessen die Rente meines Nachbarn finanzierte

Als gebürtige Bayerin mitten in Mannheim bin ich ja einiges gewohnt. Aber was sich die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz als „Entlastungspaket“ zusammengereimt hat, schlägt dem Fass den Boden aus.

Wenn man aktuell an den Zapfsäulen zwischen der Untermühlaustraße und der Augustaanlage steht, weiß man gar nicht, ob man weinen oder den Tankwart umarmen soll.

Spoiler: Weinen ist billiger.

Das 12-Uhr-Todesrennen in Mannheim

Fangen wir beim Tankrabatt an. Seit dem 1. Mai schenkt uns der Staat theoretisch stolze 17 Cent brutto pro Liter.

Praktisch nennt die Monopolkommission das Ergebnis ein „Rakete-und-Feder-Phänomen“: Wenn die Ölpreise steigen, schießen die Preise wie eine SpaceX-Rakete hoch. Wenn der Staat entlastet, schweben die Preise grazil wie eine Löwenzahnfeder nach unten.

Die Mineralölkonzerne lagern die Steuermillionen ganz uneigennützig in ihren eigenen Bilanzen zwischen – vermutlich, um uns Autofahrer vor dem plötzlichen Reichtumsschock zu schützen.

Dazu kommt die staatliche 12-Uhr-Regel:

Um Punkt Mittag machen die Preise an den Anzeigetafeln einen gewaltigen Satz nach oben. Das führt in Neckarstadt täglich zu epischen Szenen: Gestresste Pendler liefern sich kurz vor zwölf ein illegales Beschleunigungsrennen zur Zapfsäule.

Wer es nicht vor dem magischen Gong schafft, zahlt die Mittags-Strafgebühr fürs Staatsbudget.

Verbraucherschützer weinen leise im Hintergrund.

Der Geniestreich: Die delegierte Nächstenliebe

Aber der absolute Höhepunkt von Kanzler Merz’ Schnapsideen ist die steuerfreie 1.000-Euro-Entlastungsprämie. Ein PR-Meisterwerk aus Berlin! Der Trick ist so simpel wie dreist: Der Staat bezahlt davon keinen einzigen Cent. Er stellt sich einfach vor die Kameras, verkündet ein riesiges Geschenk und schiebt die finanzielle Last komplett auf die Arbeitgeber.

Das ist so, als würde das Restaurant Ihnen großzügig erlauben, dass Ihre Begleitung Ihre Rechnung übernimmt – und das dann als „Einladung des Hauses“ verkaufen.

Und wer hat die Prämie bekommen?

Überraschung: 100 Prozent der Beschäftigten in der Bundesverwaltung. Der Staat zahlt seinen eigenen Leuten den Bonus aus unseren Steuergeldern aus.

Währenddessen verweigern laut Handelsverband HDE satte 83 Prozent der ohnehin gebeutelten Einzelhändler die Prämie [203056].

Kein Wunder: Der Bäcker um die Ecke kämpft selbst mit den Energiekosten. Er hat schlicht keine Spendierhosen im Schrank.

Da auf meinem Konto jedenfalls gähnende Leere herrscht, habe ich nachgeforscht. Das Ende vom Lied? Der Bundesrat hat die Prämie vor wenigen Tagen krachend gestoppt, weil die Bundesländer Angst um ihre Steuereinnahmen hatten.

Bevor der Staat auf Steuern verzichtet, verbietet er lieber das Schenken an sich.

Schlagloch-Slalom für die Rentenkasse

Aber halt, dachte ich mir, wenigstens finanziere ich mit den brutalen 65,45 Cent Energiesteuer pro Liter Benzin den Straßenbau!

Wer einmal versucht hat, schadensfrei durch die Mannheimer Innenstadt zu navigieren, merkt schnell: Das ist der nächste Irrglaube.

Dank des verfassungsrechtlichen Gesamtdeckungsprinzips fließen unsere Spritsteuern nämlich überhaupt nicht in den Asphalt.

Das Geld wandert direkt in die gesetzliche Rentenversicherung.

Seit den 70er-Jahren gilt in Berlin die Logik: Wir flicken die Straßen absichtlich nicht. Wenn das Auto wegen eines Achsbruchs in der Werkstatt steht, spart das massig CO₂!

Das nennt sich dann „ökologische Lenkungswirkung“.

Das Offfluencer-Fazit:

Der Staat erzieht uns zum Energiesparen, indem er uns das Geld wegnimmt, das wir eigentlich bräuchten, um zur Arbeit zu fahren, um das Geld zu verdienen, das er uns direkt wieder wegnimmt.

Am Ende bleibt die Erkenntnis:

Echte, ungefilterte Gefühle gibt es nur noch beim Blick auf die Zapfsäule – und dieser Schmerz ist absolut steuerfrei. Ich geh dann mal Flaschen sammeln…


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