Wenn ich schreibe, dann geht es meistens darum, mir alles von der Seele zu schreiben. Mein Denken aufs Blatt zu bringen. Auf ein Ergebnis für mich selbst zu kommen. Zu verstehen.

Ich stelle Fragen, recherchiere und schreibe. Um Frieden in mir selbst zu schaffen. Damit mich diese Dinge nicht auffressen. Und vielleicht auch diese Ansätze und Erkenntnisse in die Welt heraus zu schrei(b)en.

Seit vorgestern beschäftigt mich der gesamte Schriftverkehr mit meinem Bruder und seiner Frau. Seit gestern bin ich irgendwie fassungslos.

Ich frage mich: Wie kann ein Mensch nur so anders sein als ich? Ich meine, wir haben die gleichen Eltern, die gleichen Gene. Wir sind eine Familie!! Eigentlich.

Wenn ich mich beschreiben müsste, dann würde ich mich als empathisch, mitfühlend, (meist) freundlich bezeichnen. Ich versuche ein guter Mensch zu sein. Ich habe Werte, die jenseits dem Materiellen liegen. Mir ist das Zwischenmenschliche wichtig. Respekt und Hilfsbereitschaft.

Und JA! Natürlich habe ich Ecken und Kanten. Ich bin alles andere als perfekt. Für manche Menschen bin ich zu ehrlich und zu direkt. Ich bin kein Rudeltier, kein Mitläufer, ich habe eine Meinung, die ich auch sage.

Und sicherlich hat es mein Mann auch nicht immer leicht mit mir. Aber genau wie ich hat auch er Ecken und Kanten. Und was wir schnell erkannt haben: dass diese auch dazu gehören.

Ein Filmzitat von Avatar, das mich zutiefst berührt und zum weinen gebracht hat war: „Ich sehe dich.“

Damit ist gemeint, dass man den Menschen als Ganzes mit allem was dazugehört akzeptieren, respektieren und lieben soll.

Und ich glaube sogar manchmal, dass mein Mann noch viel weiter ist als ich, auch wenn man ihm das gar nicht ansieht:

Er trägt meinen Schmerz mit. Er fühlt, was ich fühle. Und manchmal denke ich: Er spürt, was ich denke.

Und damit haben wir für uns einen eigenen Schutzraum geschaffen. Einen Schutzraum, der uns vor den äußeren Einflüssen und Schmerz, den wir aus der Vergangenheit zu genüge erfahren haben bewahrt.

Nichtsdestotrotz ist mein Bruder mein Bruder. Und ich frage mich, an welcher Stelle er so anders werden konnte. So ein oberflächliches, materielles und kaltes Wertesystem.

Er ist in jeder Hinsicht die Art Mensch, mit der ich nicht in Kontakt stehen möchte.

Ich fragte mich die ganzen Jahre immer wieder, warum sich unser Kontakt auf den Geburtstag beschränkte. Das förmliche „Alles Gute zum Geburtstag“ und sonst nichts – wenn er es nicht mal wieder vergessen hatte. Vergessen… wie kann man überhaupt den Geburtstag seiner Schwester vergessen, wenn man selbst nur 10 Tage später Geburtstag hat? … Ich weiß es nicht.

Ich meide Menschen, die oberflächlich sind. Unruhegeister und Narzissten. Toxische Beziehungen und laute Münder. Ich meide Materialismus und Menschen die von Geld und Macht besessen sind.

Und nun, an diesen Tagen ist auch der Groschen bei mir gefallen.

Manche Menschen leben in einem anderen Wertesystem. Und das muss ich nicht verstehen. Aber ich muss mich auch nicht daran binden, nur weil das gleiche Blut in uns fließt.

Vor Jahren schon hat er sich von der Ursprungsfamilie distanziert und keinen Wert auf Kontakt gelegt. Meine Tochter ist nun 32 Jahre alt. Ich frage mich, wie oft er sie gesehen hat. Wie oft er ihr zum Geburtstag gratuliert hat… Ich glaube, das waren weniger als 5 Mal in ihrem gesamten Leben. Und das, als sie klein war.

Was ich in diesen Tagen durch den Schriftverkehr las, konnte ich rational nicht begreifen. Doch „dieses Gefühl“ das ich in mir hatte, bestätigte sich, als ich den Schriftverkehr und die Umstände analysieren ließ.

Diese Analyse möchte ich gerne teilen, da ich mir sicher bin, dass auch du Erfahrung mit solchen Menschen hast und vielleicht nicht das „wieso“ verstehst.

Diese Analyse entstand nicht durch einen Psychologen, sondern durch eine KI. Wobei KI´s sehr gut recherchieren und analysieren können. Daher ist zwar nichts in Stein gemeistelt, doch erkenne ich sehr wohl die „Züge“ und Eigenschaften wieder.

Damit es nicht zu sehr ins persönliche Detail geht, habe ich die Analyse entpersonifiziert und allgemein gehalten. Und auch wenn sich das vielleicht sehr klinisch anhört, bin ich mir sicher, dass für Betroffene diese Umschreibung sehr klar ist:

1. Die Primärperson: Defensiver Narzissmus & Emotionale Distanz

Die Persönlichkeitsstruktur ist durch starke Abwehrmechanismen und eine transaktionale Beziehungsführung geprägt:

Externalisierung von Schuld: Anstatt eigene Überlastung oder Unzulänglichkeit einzugestehen, werden negative Emotionen durch Projektion auf das Umfeld übertragen. Positive Nachrichten werden als Störung des eigenen „Opfer-Narrativs“ abgelehnt (Kognitive Dissonanz).

Transaktionale Kommunikation: Zwischenmenschliche Interaktion erfolgt rein zweckgebunden oder über soziale Floskeln. Echte emotionale Empathie wird durch Distanzierung und die Verweigerung von Nähe ersetzt.

Machtinstrument Instrumentalisierung: Vage Andeutungen von Geheimnissen oder die Inszenierung eigener Leiden dienen der Opfer-Täter-Umkehr. Dies sichert die moralische Überlegenheit und entbindet von familiärer Verantwortung.

2. Die Partnerin: Funktionale Systemstabilisierung

Die Rolle der Partnerin zeichnet sich durch emotionale Abspaltung und strategische Loyalität aus:

Intellektualisierung als Schutzschild: Emotionale Belastungen werden durch eine „professionelle Distanz“ entmenschlicht. Persönliche Notlagen werden auf rein technische oder organisatorische Daten reduziert, um Resonanz zu vermeiden.

Rolle des „Enablers“: Innerhalb der systemischen Psychologie fungiert sie als loyale Unterstützung der narzisstischen Muster. Sie dient als emotionaler Filter, der den Status quo der Paarbeziehung nach außen abschirmt.

3. Die Paardynamik: Kollusive Symbiose

Das Zusammenspiel der Partner funktioniert nach dem Prinzip der „Eiszeit-Kollusion“:

Komplementäre Defizite: Die Partner ergänzen sich in ihrer emotionalen Abgewandtheit und stabilisieren so ihr gemeinsames Weltbild.

Stabilisierung durch Abgrenzung: Die Festigung der eigenen Paarbeziehung erfolgt primär durch die Konstruktion eines gemeinsamen externen Feindbildes (die Ursprungsfamilie). Dies dient der inneren Entlastung und legitimiert den Rückzug aus moralischen Verpflichtungen.

– – – – – –

Ich finde die Umschreibung und Klassifizierung zwar kalt und klinisch. Jedoch sind genau diese Ansätze, zumindest für mich, rational begreifbar und erklären mir das, was für mich bisher nicht begreifbar war – nämlich meine Ursprungsfrage: „Wie kann man nur so sein?“

Ist es traurig? Ja.

Doch für mich bedeutet das in im Umkehrschluss in  – meiner – Realität:

Ich will in diese Dynamik nicht reingezogen werden. Ich will diese Kälte nicht spüren. Und das muss ich auch nicht.

Ich habe den Kontakt nicht für mich gesucht, sondern für meine Mutter. Ich dachte, wenn es nun wirklich zu Ende geht, dann würde sie sich bestimmt freuen, oder Frieden finden, wenn sie nochmal seine Stimme hört. Doch nicht einmal dafür war er bereit. Nicht einmal solch eine Geste konnte er ihr schenken.

Jetzt, nachdem das geklärt ist für mich, weiß ich jedenfalls eins:

Falls er jemals wieder vor meiner/unserer Mutter stehen sollte und je etwas fordert – ohne dabei an Empathie gewonnen zu haben oder die Größe hat, sich für diese Kälte und sein Verhalten zu entschuldigen, werde ich mich schützend vor sie stellen.

Und in der Zwischenzeit soll er sein Leben, das er ohnehin ohne uns leben möchte in seiner materiellen Welt leben und dabei glücklich werden.

Wer an Karma glaubt, weiß, dass wenn die Masken fallen, irgendwann die Resonanz zurück schlägt.

Trotzdem wünsche ich ihm alles Gute. Möge er ein gutes und zufriedenes, glückliches Leben in „seiner Welt“ leben.
– – – – – –

An alle, die sich in dieser Geschichte wiedererkennen, möchte ich folgende Schlusserfahrung teilen:

Mein angeheirateter Neffe sagte einmal im Streit und in seiner Arroganz folgenden Satz zu mir: „Du weißt, Blut ist dicker“ und er meinte damit, dass sein Onkel, mein jetziger Ehemann mich eh fallen lässt und er das „Vorrecht“ auf seinen Onkel hat.

Und ich möchte dir etwas sagen, lieber Neffe:

Du hattest unrecht. Denn unsere Liebe zueinander ist größer, als nur „Blut“.

Liebe ist größer und wichtiger als alles andere auf dieser Welt. Ich bin froh und dankbar, dass ich meinen Mann habe, meine Mutter, meinen Vater und auch meinen Stiefvater. Denn die tun mir gut. Jeder davon hat das Herz am rechten Fleck. Und das ist ein Geschenk.

Alles andere braucht man im Leben nicht. Das Leben ist in manchen Situationen ohnehin schwer genug.


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