Ich liebe ja Diskussionen und Debatten. Aber ehrlich gesagt: Wenn es um „Ausländer“, oder wie ich gern sage „Nicht-Deutsche“ geht, dann bin ich da schon ein bisschen empfindlich.

Die ausgelutschte Diskussion über die Aussage von Herrn Merz über das „Stadtbild“ war ja nur das i-Tüpfelchen auf dem, was wir immer wieder leichtfertig über unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund sagen oder hören.

Ich finde das echt zum Kotzen!

Und die AfD mit ihrer Doppelmoral ruft zur Remigration auf.
Manche Menschen hinterfragen das einfach gar nicht, sondern schreien einfach blind das nach, was auf dem Podium polarisiert.

Die AfD-Mitglieder unterscheiden zwischen „guten“ und „schlechten“ Migranten. Und das nicht zuletzt aus reinem Eigennutz:

1. Alice Weidel: verheiratet mit einer Frau aus Sri Lanka
2. Tino Chrupalla: Namensherkunft: polnisch. War mit einer Russin verheiratet
3. Markus Frohnmaier: geboren in Rumänien, adoptiert von deutschen Eltern
4. Joana Cotar (ehemals AfD): geboren in Rumänien, kam als Kind mit Familie nach Deutschland
5. Anna Nguyen: christlich-vietnamesischer Flüchtling
6. Achille Demagbo: geboren in Benin/Westafrika
7. Anton Friesen: geboren in Kasachstan
8. Meysam Ehtemadi / Nicolai Boudaghi: familiäre Wurzeln im Iran
9. Enxhi Seli-Zacharias (Stellvert. AfD Fraktionschefin in NRW) geboren in Albanien

Das Versagen oder die Unbeliebtheit der Regierung ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Alternative für Deutschland.

Mit einem Plakat „Abschieben schafft Wohnraum“ oder „In Seenot? Eher die nächste Verbrecherwelle!“ und mit ähnlichen unsinnigen Remigrations-Wahlversprechen gehen sie auf Wählerjagd. Und die Wähler, die solche Aussagen gar nicht hinterfragen, machen auch noch ihr Kreuz an dieser Stelle.

Hey, ich sag nicht, wähl die CDU, SPD oder was auch immer.

Das Problem sind jedoch nicht die Ausländer. Das Problem ist die bürokratische Umsetzung und Integration in unsere Gesellschaft.

Da mein Mann aus Bosnien stammt, habe ich schon einiges an Erfahrung sammeln dürfen. Denn obwohl mein Mann gut 30 Jahre in Österreich gelebt hat und durch mich erst nach Erding kam und wir dann vor etwas über ein Jahr in Mannheim gelandet sind, musste mein Mann in Mannheim geschlagene 6 Monate auf die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis warten.

Das war wirklich sehr zermürbend. Er musste sogar eine Deutschprüfung A1 ablegen, um das Dokument zu erlangen. Das ist ja auch ein schlechter Witz oder?

In der Zeit durfte er natürlich nicht arbeiten. Das war dermaßen frustrierend. Für ihn und für mich. Er hat natürlich auch kein Arbeitslosengeld in der Zeit – trotz Anspruch (aufgrund Tätigkeit in Erding) – beantragen können, da ja die Aufenthaltsgenehmigung nicht vorhanden war. Also mussten wir von unserem Ersparten leben.

Jetzt muss man sich mal vorstellen, es flüchtet jemand vor dem Krieg und kommt nach Deutschland. Und er darf monatelang, vielleicht jahrelang nicht arbeiten, weil er ja „nur“ ein Flüchtling/Asylant ist.

Vielleicht hatte er in seiner Heimat einen Beruf – vielleicht sogar eine Karriere? Weiß mans? Wir wissen gar nichts.

Ich möchte ehrlich gesagt auch nicht gezwungen sein, in ein anderes Land zu flüchten, nur weil die Politik nicht in der Lage ist in seinem eigenen Land dafür zu sorgen, dass Frieden herrscht.

Ich möchte auch nicht unbedingt in eine völlig fremde Kultur ziehen, in der man immer wieder wie ein Aussätziger angesehen oder behandelt wird.

Selbst mein Mann erlebt immer wieder rassistische Äußerungen oder erlebt mit, wie man vor ihm über „Ausländer“ herzieht und dann vielleicht sogar noch zu ihm sagt „Dich meine ich nicht“.

Natürlich fühlt sich mein Mann angesprochen! Natürlich ist er verletzt! Er IST ein „Ausländer“ – er ist kein Deutscher!

Man muss mal klar sagen, dass man diese Äußerungen nicht so pauschalisieren darf. Es gibt auch ein Haufen Arschlöcher und Sozialschmarotzer, welche die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Also – zufällig – in Deutschland geboren wurden. Das berechtigt sie aber noch lange nicht, so asozial zu sein und einen Anspruch zu erheben, Bürgergeld zu bekommen.

Zum anderen muss man ja auch sehen, was es alles für Jobs gibt, die mehrheitlich Nicht-Deutsche zuverlässig erledigen. Was würde denn passieren, wenn man konsequent Remigration betreiben würde? Unser ganzes Wirtschaftssystem würde zusammenbrechen. Und nein, es wäre gar nicht möglich, diese Jobs mit deutschen Staatsbürgern nachzubesetzen. Das ist eine völlig undurchdachte und dumme Illusion, das so etwas überhaupt funktionieren könnte.

Wer arbeitet denn überwiegend als Reinigungskräfte, bei der Müllabfuhr, Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen, Helferjobs, Restaurants und Hotels, Fabriken?

Noch nicht einmal die deutschen Schulabgänger wollen diese Jobs machen. Sie werden lieber Influencer!

Wir schimpfen auf die „Ausländer“, während sie uns den Hintern abwischen, unsere Betten machen, das Fließband am Laufen halten und unsere Pakete ausliefern. „Ausländer raus“ bedeutet schlicht und ergreifend: Kollektiver, gesellschaftlicher Selbstmord aus purer Arroganz.

Es wäre viel gescheiter die „bürokratischen Hürden“, wie sie oft genannt werden, deutlich zu reduzieren, um die Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren und sie somit eine Aufgabe haben.

Und auch mal aus der Perspektive:
Wir lieben es Döner zu essen, gehen gerne ins italienische, griechische und asiatische Restaurant, kaufen und lieben Produkte aus anderen Ländern. Und verreisen ins Ausland um Urlaub zu machen und dort unsere Freizeit zu genießen.

Gleichzeitig sollten wir auch mal in unsere eigene Geschichte tiefen graben: Zumindest ich habe festgestellt, dass in mir was polnisches und tschechisches ist. Das ist zwar Generationen her, aber nichtsdestotrotz bin ich durch die Kriege und durch die Flucht der Vorfahren zu einem deutschen Kind geworden. Weshalb ich immer zu meinem bosnischen Mann zum Spaß sage: „Ich bin Polin“.

Und eigentlich ist es doch egal woher man kommt.

Freundlichkeit, Menschlichkeit, Zusammengehörigkeit, Familie und Liebe entsteht nicht durch die Nationalität. Sie entsteht durch das interagieren miteinander.

Trennung schafft die Politik durch ihren ständigen Machtkampf und ihren falschen Versprechen. Durch falsche Prioritäten. Durch Bürokratie, die keinen echten Sinn macht, sondern einfach nur abschreckt. Durch Aussagen, die zur Differenzierung aufrufen.

Und das ist das eigentlich fatale und falsche daran.

Ich möchte eine Lanze brechen.

Bitte verurteilt nicht Menschen, in deren Geschichte und Schicksale ihr kein Einblick habt.

Ich glaube, viele Menschen, die hier her kommen, würden niemals auf die Idee kommen in ein fremdes Land zu reisen, wenn in ihrer Heimat nicht alles durch den Krieg zerstört würde. Und nebenbei bemerkt: den die Politiker schaffen und sich selbst dabei in Sicherheit bringen.

Ausländer raus? Nein. Das ist keine Lösung, die das Problem „Integration“ löst.


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