Vor drei Wochen bin ich 50 geworden. Da war noch alles in bester Ordnung.

Mein Mann und ich hatten gerade Urlaub und hatten eine schöne Zeit. So im Großen und Ganzen. Natürlich war es auch anstrengend die Fahrerei.

Vor 1,5 Wochen ging dann die Arbeit wieder los. Der normale Wahnsinn.

Aber da ich ja bereits die Kündigung eingereicht hatte, ist ja alles nur noch eine Frage der Zeit bis zum 30.9.

Nach nur einer Woche, letzten Sonntag dann, beschloss ich zum Arzt zu gehen, da mein Daumengelenk diesmal schmerzte, sodass ich mir das endlich mal ansehen lassen wollte.

Ich vereinbarte online einen Termin für den heutigen Mittwoch.

Ich ging also am Montag in die Arbeit.

Kurzum: Am Vormittag schmerzte mein unterer Rücken so stark, dass ich mich vorzeitig verabschiedete und mir direkt krank meldete.

Am Abend des Montags war es dann fast unerträglich.

„Ah jetzt weiß ich was du meinst mit ‚Komm du erst mal in mein Alter‘!“, witzelte ich.

Ja leck mich doch! Wie ein alter Greis! … Da sieht man mal wohin das führt ohne Yoga…

Jedenfalls hatte ich dann gestern Zeit für mich. Zuhause. Alleine. Nur ich und meine Gedanken.

Manchmal nutze ich ChatGPT nicht nur für Informationen und Recherche, sondern auch, um meine Gedanken zu sortieren.

Und aus dem gestrigen „Sortieren“ entstand ein wirklich gutes Gespräch mit meiner KI.

Ich finde das wirklich sehr spannend. Weil man ChatGPT auch sinnvoll nutzen kann. Man kann viel hinterfragen, wenn man die KI richtig nutzt.

Aus meinen kreisenden Gedanken entstand „Projekt 50“.

Aus der einfachen Frage, die ich eingangs stellte, nämlich: „Welche Brille steht mir?“, da ich dringend zum Optiker muss, hinterfragte ich plötzlich mein ganzes Sein.

Eine tiefvergrabene Erinnerung aus meiner Kindheit poppte in diesem ganzen Hinterfragen meiner Gedanken auf, die mich zu Tränen rührte.

Ich wusste einfach nicht, warum mich diese Erinnerung an meine Tante so berührte.

Es war 1988. Ich war mit meinem Vater und meinem Bruder in Toronto. Dort lebte meine Tante. Sie war wegen ihres Blumenladens eine kleine Berühmtheit. Sie zeigte mir, wie man Blumenkränze bindet. Wir lachten viel. Sie trug fast immer lange Kleider und Sandalen und marschierte fröhlich voran. Sie wirkte erfüllt.

Ich, die gerne hinterfragt, grub weiter in meinem Gedankenkarussell.

Ich bin nun auch in der zweiten Hälfte. Wenn ich Glück habe. Man weiß ja nie, wie viel Lebenszeit man noch hat.

Bin ich glücklich? Bin ich genau die, die ich sein möchte? Verbiege ich mich für andere? Oder lebe ich mein inneres Wesen wirklich aus? Was sind da für Werte, die in mir schlummern?

In einer Gesellschaft, in der wir leben, ist es oft schwer, sich so zu verwirklichen, wie man es vielleicht möchte.

Es ist ja schon schwer, sich wirklich Gedanken darüber zu machen. Es fehlt meistens einfach die Zeit und die Ruhe für solche Gedanken.

Man soll einfach funktionieren. Ständig und immer.
Am besten bis man tot umfällt.

Und dann?

Ich erinnere mich, dass mein Vater mal Träume hatte. Was er erreichen wollte. Was er machen wollte.

Er verzichtete. Für seine Kinder.
Später hatte er Sicherheit. Aber vielleicht fehlte ihm genau das, was ihn lebendig gemacht hätte.

War er glücklich? Hat er sein extrem gutmütiges, liebevolles, soziales Wesen komplett ausgelebt?

Sicher nicht.

Ich sitze hier beim Kaffee morgens um 6 Uhr und frage mich:

War das alles? Ist es das, was ich wirklich will? Kann ich mein inneres Wesen voll ausleben? Wohin führt mein Weg?

Man sollte vielmehr das tun, was man liebt. Viel mehr das, was einen glücklich macht. Einen erfüllt. Und wirklich berührt.

Wohin führt mich mein Weg? Wer bin ich wirklich? Was erfüllt mich von Herzen?

In meinem Fall sind es weder Geld noch eine Position, die mich glücklich machen.

Ich weiß nun, es sind andere Werte…

Vielleicht ist genau das „Projekt 50“.

Die zweite Lebenshälfte nicht einfach an sich vorüberziehen zu lassen, sondern jeden Tag ein Stück mehr zu sich selbst zu finden und den Mut zu haben, diese Seite von sich zu leben.


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