Ein Satz, den schon mein Vater sagte.
Und desto älter ich werde, um so eher komme ich zu dem Schluss, dass an dem Satz was dran war und ist.

Eigentlich müsste man annehmen, dass das Leben leichter geworden ist aufgrund der fortschreitenden Technik. Ist das ein Fluch oder ein Segen?

Ich kann mich daran erinnern, dass meine Generation ohne Handy und Computer groß geworden ist. Wir hatten ein Telefon mit Wahlscheibe und Telefonzellen, wenn wir von Außerhalb telefonieren mussten.

Wir haben uns als Teenager draußen herumgetrieben, waren schwimmen, Fahrrad fahren, waren in der Clique, im Bauwagen, haben Sport getrieben und sind abgehangen. Was Jugendliche eben so tun – auf der Reise zum Erwachsen werden.

Wir haben Bücher gelesen mit Blättern aus echten Papier, einen Füller namens „Pelikan“, hatten blaue Finger von der Tinte und mussten uns in der Schule mit der Rechtschreibung auseinander setzen.

Heute ist die Rechtschreibung ja eher flexibel und die Autokorrektur kalkuliert die Faulheit der Menschen, einen Satz selbst zu bilden, mit ein.

Man hört von den jungen Leuten: „Gehen Aldi“, nicht „Wir gehen in den Aldi“. Sie nennen sich nicht beim Namen, sondern sagen lieber „Hey Brudaa, was geht?“. Respekt ist eher etwas, was andere haben sollten und Rücksichtnahme etwas, was in der „bedürfnisorientierten Erziehung“ nicht gelehrt wird.

Heutzutage gibt es die steinreichen Menschen, die sich einen Flug für 17.000 Euro in der ersten Klasse leisten. Die Mittelschicht, die froh ist, wenn der Benzinpreis mal ein paar Cent sinkt. Und die, die eh schon am Boden sind.

Die Spaltung könnte kaum sichtbarer sein.

Dann gibt es die Politiker, die Millionen einstreichen und laut sagen, wir – die Mittelschicht, sollen sparen. Dann die Pharmaindustrie und Lebensmittelindustrie, die es nicht besser machen.
Das sin die Rädchen am Rad, um das Volk im Griff zu behalten.

Die Mächtigen legen uns lieber Daumenschrauben an, als wirklich etwas zu bewirken.

In dem einen Land herrscht Krieg, in dem anderen verhungern die Menschen.

In China herrscht das digitale Überwachungssystem, in Nordkorea eine Diktatur.

Wir schmeißen den Müll in das Meer, zerstören den Regenwald und wundern uns. Wirklich?

Gleichzeitig entwickelt sich die künstliche Intelligenz so rasant schnell, sodass wir den Film „Terminator“ wahrscheinlich noch live miterleben werden…

Dann geh ich in mich und sage mir: Gut, dass ich nicht mehr so jung bin.

Nicht falsch verstehen – ich lebe gerne. Und ich möchte auch noch viele Jahre leben. Aber mit der Aussicht auf das, was uns umgibt, ist es manchmal schwer zu ertragen.

Wahrscheinlich genau deswegen habe ich mein Kokoon, in dem ich versuche, meine heile Welt zu erhalten.

Wahrscheinlich sind mein Mann und ich deshalb eine Einheit geworden.

Wir halten uns fern von dem, was uns nicht gut tut. Und tun das, sofern möglich, was uns gut tut.
Wir haben gelernt, uns bedingungslos zu lieben. Die Ecken und Kanten des anderen sind da und gehören dazu.

Wir haben gelernt, uns an kleinen Dingen zu erfreuen und dem anderen Freude zu bereiten. Zufriedenheit zu erfahren, nur weil wir uns haben. Und alles dafür zu tun, dass der andere und man selbst glücklich ist.

Natürlich gibt es da die Momente im Alltag, die den Schatten werfen. Doch wenn wir uns dann wieder am Feierabend in den Arm nehmen, wird die Last leichter und verfliegt für den Moment.

Es ist eine verrückte Welt. Eine, die von Narzissten geführt wird. Von Menschen die getrieben sind von der Gier auf Geld und Macht. Eine Welt, in der sich die Mehrheit der Menschen beugt, klein beigibt, keine Stimme hat oder einfach sich selbst aufgibt.

Also war es früher besser?

Wahrscheinlich nicht wirklich.

Eher: unverändert. Unbelehrbar. Auf einem anderen Level.


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