
Früher, immer wenn es mir schlecht ging, fing ich an zu schreiben. Oft war es ein Gedicht. Und da kam mir eben wieder das Gedicht in den Sinn, dass ich schrieb, als meine Oma starb. Das war 2009.
Meine Oma war ein harter Brocken. Gezeichnet vom 2. Weltkrieg. Und doch herzensgut. Viele Eigenschaften von ihr sehe ich in meinem Vater und auch in mir. Viel habe ich von ihr gelernt – durch meinen Vater.
Die Möglichkeit des Abschieds von meiner Oma – auch wenn sie schon verstorben war, war heilsam. Die Niederschrift meiner Gefühle und des Tags an dem sie starb, ließ mich den Verlust verdauen.
Immer wenn ich mit meiner Oma telefonierte und ich am Ende „Tschüss“ sagte, korrigierte sie mich. In Bayern heißt das nunmal „Pfirdi“. Und so verabschiedete ich mich auf bayrisch:
Mei Oma….
Mei Oma, jetz is grad amal a paar Tag her,
du bist jetz weg, i vermiss di so sehr!
Da Papa hod mi ogruafa und gsogt du bist gstorm,
i konnts gar net fassn, mia wurd ganz koud und dann wieda woarm.
Hob net gwußt, wos soll i jetz dea,
woid di no so vui frogn, des geht jetz net mehr.
Bin in mei Auto gsprunga und bin groaßt wie a gsengte Sau,
damit i di wenigstns no oa moi sig, du liabe Frau.
Bin blitzt worn, hob übahoit und telefoniart, i woas, des derf man net,
hob so Angst ghabt, dass i di nimma sig! Mei des war a gfrett!
Hob ziddat, hob gwoant, hob gsunga und gschrien!
Wärst hoit no a bissl bei uns bliem!
Bin okemma und hob zerst den Sarg da gsehn,
hob scho gmoant, de woin mit dia gehn.
Da Papa hod mi gführt ans Bett zu dia,
i war so froh, du warst no hier!
A Tuch übern Gsicht, hod da frogt „Mogstdas sehn?“
„Ja freili“ hob i gsogt, sunst konn i net gehn.
Der Anblick von dia war net schlimm, war koa Graus,
aba jetzt hab i gwußt, des is tatsächlich aus.
Bin aufd Knia gfoun, hob dei Wanga gstreichlt und hob gwoand wia a kloans Kind,
wen wunderts, hob di halt liab ghabt wia Enklkinder hoid sind.
Dei letzter Wille war bscheidn wiast hoid scho warst im Lebm,
des hod dir der Gert, die Heidi und der „Kloa“ jetz a gebm.
I hoff, du bist mei Engal und wartst im Himml auf mi,
I hoff, wenn bei mia des Licht kummt, dann sig i a di.
Mei Gruaß is auf bayrisch, „pfirdi und auf wiedersehn“,
du host dein Friedn endlich gfundn und i konn mit Ruh in da Seel no a Stückal im Lebm gehn.
08/2009.

Schreibe einen Kommentar