Es gab eine Zeit, da hatten Menschen einen normalen Beruf.
Heute haben sie einen „Personal Brand“.
Ob sie sich einfach nur an der Herdplatte verbrannt haben, weiß ich nicht so genau. Es scheint jedoch so, als sähe sich heutzutage so ziemlich jeder, der sich auf Social Media präsentiert, als sogenannten Spezialisten.
Meine Lieblingskategorie sind dabei die Influencer.
Manchmal habe ich einfach den Eindruck, sie haben keinen Beruf erlernt und sind deshalb so versessen darauf, ihre vermeintliche Einzigartigkeit zu präsentieren.
Auch die Bezeichnung „Coach“ wird inflationär verwendet.
Früher fragte man sich:
„Wer bin ich eigentlich?“
Heute fragt man sich:
„Wie wirke ich auf meine Zielgruppe?“
Das ist effizienter.
Selbstverständlich inklusive Claim. Also Werbeslogan. Message. Wiedererkennungswert.
Authentisch. Mutig. Echt.
Mutig auf jeden Fall. Bei einigen so mutig, dass bei mir das Gefühl des Fremdschämens aufkommt.
Was daran allerdings noch authentisch und echt ist, frage ich mich immer wieder.
Manchmal wünschte ich, ich würde diese Pappenheimer nicht „wiedererkennen“.
Natürlich verstehe ich den Trend.
In einer Welt voller Menschen möchte jeder gesehen werden.
Wer sichtbar ist, existiert.
Zumindest in der Social Media Welt. Ob man dabei einen wirklichen Mehrwert an die Gesellschaft leistet oder nur einen Beitrag zur Verdummung sei einmal dahingestellt.
Wer Reichweite hat, zählt.
Denn damit wird man gesponsort, bekommt Rabattcodes und trägt somit dazu bei, jeden erdenklichen Müll an den Mann zu bringen.
Wer Follower besitzt, hat zumindest das Gefühl, nicht allein zu sein.
Früher hatte man einfach Freunde. Man traf sich nicht nur virtuell, sondern musste wirklich seinen Arsch bewegen.
Trotzdem boomt das Geschäft der Volksverdummung.
Und je mehr Menschen versuchen, dieses „Business“ auszuüben, desto ähnlicher werden sie sich.
Die gleichen Fotos. Die gleichen Posen. Die gleichen Aussagen. Der gleiche Schrott.
Manchmal scrolle ich durch soziale Netzwerke und suche nach Inspiration. Nur um dann wieder feststellen zu müssen, dass ich da schnellstmöglich wieder raus muss.
Die interessantesten Menschen sind oft genau jene, die nie versucht haben, eine Marke zu werden.
Die Freundin, die seit zwanzig Jahren denselben schrägen Humor hat.
Der Nachbar, der jedem erzählt, wie seine Tomaten wachsen.
Die Kollegin, die durch die Sprechanlage sagt: „Komm’se rauf – schaun´se runter“ und mich dabei zum Lachen bringt.
Sie besitzen keinen Personal Brand.
Sie besitzen etwas viel Seltenes.
Eine Persönlichkeit.
Vielleicht wird das irgendwann wieder modern. Menschen, die einfach Menschen sind.
Ohne Claim. Ohne Strategie. Ohne Content-Plan.
Mit Ecken, Kanten, Charakter und Persönlichkeit.
Einfach nur so. Weil es schön ist zu sein, wie man ist. Weil es schön ist, miteinander zu agieren und füreinander da zu sein.
Also genau wie früher, als es noch kein Social Media gab.
Mehr Präsenz durch echte Präsenz – Im echten Leben.
Hat dir der Artikel gefallen?
Mein Blog und Magazin ist komplett kostenlos. Ohne Abo, ohne Paywall und ohne Werbung.
Wenn Dir mein Artikel gefallen hat, dich zum Schmunzeln gebracht oder den Arsch gerettet hat, dann lass mir gern ein paar Münzen da.
Einfach auf den Button klicken und Klimpergeld rein.
Vielen Dank für deinen Support!


Schreibe einen Kommentar