Bei mir herrscht gerade absoluter Ausnahmezustand. Innen wie außen. Denn vor ein paar Tagen bekam ich den Anruf, dass meine Mutter ins Krankenhaus gebracht wurde.
Seitdem laufe ich zwischen zuhause und Krankenhaus hin und her. Es ist, als wäre ich im falschen Film.
Zum Schutz meiner Mutter werde ich keine Details erzählen, jedoch soviel: Es war/ist ernst. Leben und Tod. Von heute auf morgen.
Der Inhalt des Anrufs war total surreal. Ich fühlte mich nur leer. Sonst nichts. Wahrscheinlich war es ein Schock. Ich marschierte sofort los und suchte meine Mutter.
Dazwischen ein Anruf bei der Arbeit. Ich komme nicht. In dem Zustand ist nicht an arbeiten zu denken. Ein Anruf bei meinem Arzt. Erst einmal krankschreiben lassen. Den verzweifelten Versuch meinen Bruder, mit dem ich seit Jahren keinen Kontakt hatte, zu informieren.
Zurück in der Klinik. Ich versuche herauszufinden, was denn passiert ist. Was die Ärzte sagen. Doch meist erwische ich nur einen Pfleger, der in dem Umfang auch nichts sagen kann, wie ich es gern hätte.
Alle sind irgendwie gleich angezogen. Ist das ein Arzt, eine Krankenschwester oder ein Pfleger?
Ich versuche alle Informationen aufzusaugen. Schaue von einem zum anderen und dann wieder zu meiner Mutter. Kriegt sie das alles mit? Was fühlt sie? Was denkt sie? Herrgott noch mal!!
Mal geht man mit Angst nach Hause. Mal mit Hoffnung. Schaut tausendmal auf das Handy und hat dann doch Angst, wenn es klingelt.
Nachdem es eigentlich nur bergab ging, bekomme ich am 4. Tag früh morgens den Anruf, dass sie nun auf Intensivstation gekommen ist und eine Not-OP durchgeführt wird.
Man malt sich die schlimmsten Dinge aus und immer wieder wird man erschüttert von dem Schock und den Tränen. Diese Ohnmacht und Hilflosigkeit machen einen total verrückt.
Wieder die Familie informieren. Und eben den anderen, der laut Familienstammbuch mein Bruder sein soll. Ich fass es nicht.
Man rechnet ja mit vielem. Aber mit manchen Nachrichten eben nicht. Manchen Menschen würden Feingefühl, Mitgefühl und Empathie echt guttun.
Die OP scheint gut gegangen zu sein. Zumindest gab es keine Komplikationen. Einmal kurz durchatmen, bevor ich mich dem Bett gegenüber stelle, in dem meine Mutter liegt mit Schläuchen, die ich nicht zählen konnte.
Es piepst und pumpt rundherum. Es ist beängstigend.
Im eigenen Kopf drehen sich die Gedanken im Kreis. Soll es das nun gewesen sein? Die Horrorszenarien machen sich wieder in meinem Kopf breit.
„Nein, positiv denken. Ich schicke dir Licht und Liebe und Kraft. Du schaffst das. Du bist stark“, zwinge ich mich zu sagen. Ich versuche mich selbst zu überzeugen, um meine Angst zu übertönen.
Wieder die Familie informieren und diesen, der eigentlich auch zur Familie gehört. Bruder.
Die Familienmitglieder sind dankbar und froh, dass meine Mutter die OP überstanden hatte.
Und der andere? Der meldet sich drei Stunden später. Keine Frage nach dem, wie es ihr geht oder wie es weiter geht oder irgendeiner Nettigkeit. Nein. Vorwürfe haben bei ihm Priorität. Ich hätte zuvor „falsche oder geratene Informationen“ weitergegeben. Und dann noch ein kurzer Themenwechsel, zu unserem Vater. Also darum sollte ich mich nun auch langsam mal kümmern. „Es wäre nun an der Zeit.“
Mal abgesehen davon, dass ich genauso wie er nicht um die Ecke wohne, sondern mehrere hundert Kilometer entfernt wohne… Ich bin so wütend! … ach ja ER kann nicht. Er ist gesundheitlich nicht in der Verfassung. Aber näher möchte er nicht darauf eingehen. Ich soll mich doch am besten um beide kümmern, damit er nichts damit zu tun hat. Reine Interpretation seiner Aussagen.
Und dann noch der Chef. Na, wer soll denn nun die Buchhaltung machen? Sein Verständnis hält sich in Grenzen. Aber so ist das, wenn man aus zwei Stellen eine macht und genau diese dann ausfällt. Ja, auch Buchhalter werden mal krank oder haben Urlaub. Ja, unglaublich.
Doch diese Aussage von der Stelle berührt mich kaum bis gar nicht. Ein Nebenschauplatz der Realität. Viel mehr erzürnt mich das Verhalten des vorangegangenen Protagonisten.
Während man sich selbst im Ausnahmezustand befindet, zwischen Höhen und Tiefen, Tränen, Verzweiflung und Angst schwebt und wankt, bekommt man noch die volle Breitseite dazu von manchen Menschen. Als hätte man noch Kapazität für deren Befindlichkeiten und Ausbrüche aus niederen Beweggründen.
Gut. Diesen Menschen braucht man offensichtlich nicht auf den Laufenden halten. Sei es drum. Das ist die bittere Realität.
Besser ich lasse meine Wut darüber los und kümmere mich um die wichtigen Dinge.
Fokus wieder auf meine Mutter. Fokus auf Liebe. Fokus auf Genesung. Hoffentlich. Fokus auf das Jetzt. Denn jeder Moment ist kostbar mit Menschen, die wir lieben.
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Dieser Artikel soll Menschen Kraft und Mut geben, sich in solchen Ausnahmesituationen auf das Wichtige, auf die Liebsten, zu konzentrieren.
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