Gestern hatte ich auf LinkedIN bei einer Umfrage von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung teilgenommen. Die Frage lautete: „Wer trägt Ihrer Meinung nach die Hauptverantwortung bei Minderleistung?“. Ich wählte „beide gleichermaßen“, weil das ja im Regelfall auch so ist.
Aber es gibt ja auch so Unternehmen, da muss man ganz klar sagen, dass der speiende Drache klar von oben kommt und man das Toxische jeden Tag spürt.
In so einem Arbeitsverhältnis befinde ich mich gerade. Denn neben dem Blog muss ja auch irgendwie Geld verdient werden.
Und ich glaube, auch der Nicht-Experte erkennt, dass bei 80% Mitarbeiter-Fluktuation irgendwas nicht stimmen kann.
Wenn man sich mit den Kollegen unterhält, sagt eigentlich jeder „eigentlich mag ich meinen Job und meine Tätigkeit“.
Aber was da von oben nach unten erwartet und gefordert wird, ist einfach nicht mehr zu wuppen.
Und so kommt es regelmäßig dazu, dass entweder der Mitarbeiter gekündigt wird oder der Kollege das Handtuch schmeißt.
Mein eigener Posten wurde ursprünglich von zwei Personen gemeistert. Wahrscheinlich mehr abgearbeitet. Doch auch diese beiden Personen haben das Weite gesucht. Und zwar zeitgleich. Anschließend wurde nur noch eine Person für diese Stelle eingestellt. Die erste ging nach 3 Monaten. Die zweite nach 6 Monaten – wobei diese nur drei Monate anwesend war.
Tja und dann kam ich. Acht Monate später könnte ich auch nur noch im Strahl kotzen!
Ich räumte das gesamte Jahr 2025 buchhalterisch auf. Korrigierte, buchte und ich kann von mir wirklich behaupten, dass ich nicht ein einziges Mal am Tisch saß und Zeit hatte zum Nase bohren.
Und obwohl das Chef-Getier eigentlich froh und dankbar sein sollte, dass dieser Teil funktioniert und gleichzeitig aufgeräumt ist, kommen immer wieder so unrealistische Erwartungen.
Da reißt mir echt die Hutschnur!
Einmal war es sogar so, dass ich freitags eine Besprechung mit unserem Gott hatte. Dieses Gespräch ist nicht zu seiner Zufriedenheit gelaufen. Denn leider kann ich niemanden ins Gesicht lachen, wenn ich sehe, wie jemanden der Puls farblich ins Gesicht steigt und dann noch ein unzureichender respektvoller Kommentar kommt.
Kurzum: Ich ging Freitag Abend ins Bett und träumte, wie das Gespräch weiter ging und wie dieses Gespräch endete.
Zwischenzeitlich hatte ich schon Schlafprobleme und pünktlich abends gingen meine Kopfschmerzen los und blieben die ganze Nacht.
Irgendwann neulich war ich dann so erschöpft, dass ich zum Arzt ging.
Selbst er empfahl mir, mir einen neuen Job zu suchen.
Als ich dann eigentlich wieder zur Arbeit wollte… naja… wollen ist zu viel gesagt… musste, bekam ich die Hiobsbotschaft, dass meine Mutter im Krankenhaus läge. Es war ernst. Und so ließ ich mich gleich noch einmal eine Woche krankschreiben, denn ich hätte es mir nicht verzeihen können, wenn ich in der Arbeit gewesen wäre und sie….. naja. Gott sei Dank geht es ihr besser. Sie ist dem Teufel noch einmal von der Schippe gesprungen.
Jedenfalls bin ich nun wieder seit 3,5 Tagen aktiv am abarbeiten. 12 Arbeitstage ist die Buchhaltung still gestanden. 270 Emails sind bis dahin liegen geblieben. Und kommenden Montag erwartet „das Dings“ einen aktuellen Stand.
Ich bin jetzt schon wütend, wenn ich an das kommende Gespräch nur denke!
Wie kann man denn erwarten, dass man in 3,5 Tagen einen Rückstand von 12 Arbeitstagen abarbeitet? Was glaubt der denn? Dass ich im Normalfall nur einmal blinzeln muss und alles ist erledigt? Bin ich „bezaubernde Jeannie“, oder was soll das?
Denke ich über eine Kündigung nach? JA!
Ich weiß zwar, dass ich in meinem Job gut bin, aber für unrealistische Erwartungen bin ich nicht zu haben. Ich möchte gerne die Möglichkeit haben, gewissenhaft zu arbeiten. Nicht nur die Aufgaben reinballern und nach mir die Sintflut!
Das schafft unheimliche Unzufriedenheit in mir.
Und genauso ergeht es meinen Kollegen auch. Die einen Kollegen gehen. Die verbliebenen kriegen es aufgebrummt. Keine echte Wertschätzung, sondern noch eine aufn Sack. Als Belohnung quasi.
Also gibt es da nicht eine Tendenz, dass die Hauptverantwortung von oben kommt bei Minderleistung? Ich würde klar sagen: JA.
Wenn du montags schon in die Arbeit gehst und dich fragst, was heute „wieder kommt“, dann ist das ein wirklich ungesundes Arbeitsverhältnis. Und wenn ich noch mal auf meine Mutter zurückkomme, sehe ich, wie wertvoll Lebenszeit ist… Man sollte sich sowas nicht dauerhaft aussetzen. Das ist echt ungesund.
Aber mit dem Gedanken, dass sich unsere Wege bald trennen werden und ich proaktiv dafür was tue (nicht rebellieren, sondern bewerben), machts ein bisschen leichter in diese Besprechung am Montag zu gehen und gelassen zu reagieren.
Und wenn mir selbst der Puls hoch geht: Atmen.
Zum Schluss noch an all die Chefs da draußen:
Wenn Euch selbst der Arsch brennt, lasst es nicht an Eure Mitarbeiter aus! Ein Unternehmen steht und fällt mit den Mitarbeitern. Wer das nicht kapiert, hat den Erfolg nicht verdient.
Wenn die Fluktuation hoch ist und Mitarbeiter im Minuten-Takt krank werden, dann hat das irgendwann nichts mehr mit dem Mitarbeiter zu tun, sondern mit der Führung. Also bitte mal runter vom hohen Ross!
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